Tag 63: WGKK oder Passierschein A38

Ich wollte nur Blut abnehmen, um meinen Hepatitis A+B Titer für eine Impfung bestimmen zu lassen. Benötigte Zeit: 1,5 Stunden.

Wem der Passierschein A38 nicht´s sagt, dem sei das obige Video empfohlen. Das Haus, das Verrückte macht, steht aber nicht mehr im alten Rom, sondern mitten auf der Wiener Mariahilfer Straße und es heißt WGKK.

Katharina, lost in WGKK

Ich betrete das Gebäude der Wiener Gebietskrankenkasse gegen halb 9 und weil ich schon weiß, wo ich hinmuss, gehe ich zielstrebig in den zweiten Stock, in den rechten Gang, zur Labor Anmeldung. Ich stelle mich an. Glück gehabt: 2 Schalter, 3 Leute stehen an. Ich sollte also in den nächsten paar Minuten drankommen.

Falsch, fälscher, am fälschesten gedacht. „Aufgrund einer Computerprogramm-Umstellung kann es zu längeren Wartezeiten kommen. Wir bitten um Verständnis“, prangt auf einem Zettel der Fensterscheibe des Anmeldeschalters. Diese Wartezeit gestaltet sich dann so: Person hinter Schalter 1 telefoniert 15 Minuten, weil er sich nicht im System anmelden kann: „Was muss ich eingeben? Admin und dann Passwort?“ Person hinter Schalter 2 erklärt der Dame vor mir Dinge, die diese nicht versteht, schickt sie dann aber trotzdem weg. Ich komme dran. Mittlerweile ist Person 1 am Nebenschalter schon damit beschäftigt, die Anmeldung für einen anderen Kunden abzuwickeln – auch dieser möchte den Hepatitis A+B Titer bestimmen lassen. Nun werden Absprachen zwischen Person 1 und Person 2 notwendig: Hepatitis B untersucht das hauseigene Labor, A muss in die Virologie geschickt werden. Das verursacht Verwirrung am Computer. Das Endergebnis sind zwei unterschiedliche Zettel, mit unterschiedlichen Zu- und Anweisungen.

Was ich erst später erfahren soll, denn: Vorher bekomme ich einen weißen Zettel, auf dem der Betrag steht, den ich bezahlen muss. Es sind 6,95 Euro. Und zwar nicht bei der Labor Anmeldung, sondern im Raum 204 – „über den Gang und dann gleich rechts“ sagt Person 2. Also hin zu 204, auf dessen Tür in großen Lettern „Nicht eintreten, nicht klopfen“ steht. Na gut, denke ich, besser noch einmal nachgefragt, bei der Information im ersten Stock. Weil bei der Labor Anmeldung stehen jetzt 20 Leute in der Schlange.

Die Dame dahinter hat keine Ahnung, wo Dinge im Haus bezahlt werden müssen. Das wisse man aber im Erdgeschoss bei der Hauptanmeldung. Also zur Hauptanmeldung. Man muss eine Nummer ziehen. Ich ziehe die 69 – wir sind gerade bei 54. Ich habe keine Lust mehr zu warten, gehe zu einem Schalter, bei dem niemand steht, frage, ob man wisse, wo ich das Geld bezahlen kann. Nein wisse man nicht. Aber das wissen die bei der Labor Anmeldung. „Die haben mich zu einer falschen Tür geschickt.“ „Dann die bei der Information.“ „Die haben mich hergeschickt.“ „Nein hier ist das nicht.“ „Haben die aber gesagt.“ „Na dann rufen wir noch einmal dort an. Moment… Tür 207.“

Bei Tür 207 angekommen. Schild: „Nicht eintreten. Nicht klopfen.“ Weil ich schon genervt bin, klopfe ich trotzdem. Eine Dame kommt raus. Ob ich das bei ihr zahlen kann. „Nein, keine Ahnung, was das ist.“ Ob sie wisse, wo man denn generell hier Dinge bezahlen kann. „Nein, keine Ahnung. Da müssen sie bei der Information fragen.“ Ich breche kurz in Lachen aus. Nach meiner genauen Schilderung, wo ich schon überall war und nachgefragt habe, nimmt sich die Dame ein Herz, geht ein paar Türen weiter, schließt die Tür 203 hinter sich, auf der auch „Nicht klopfen, nicht eintreten“ prangt. Als sie wieder raus kommt, sagt sie: „Einen Moment bitte. Kommt gleich wer.“

Eine weitere Dame betritt die Szene – ich könne gerne reinkommen. Sie holt die Handkassa aus der Schublade. Ich gebe ihr 6,95 und bekomme einen Stempel. Mit dem bestempelten Papier geht es zurück zur Labor Anmeldung, wo sich vor der Anmeldung eine schöne Schlange Wartender tummelt. Ich drängle mich vor, reiche die Zahlungsbestätigung rein, bekomme andere Zettel und eine neue Raumzuweisung.

Wo ich mich hinbegebe. Hier muss man den erhaltenen Zettel mit den Kleberln drauf in eine Box werfen. Mein Kleberl ist das erste in der Box. Ha! Nix ha! Fünf Leute schmeißen ihr Kleberl drauf und kommen alle vor mir dran. Nach 1,5 Stunden ist es dann so weit: „Frau Lehner, bitte!“ Ich trete hinter den Vorhang, mache meinen Arm frei. Blut wird abgenommen. Fertig. Eine Sache von zwei Minuten.

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