Tag 62: Journalismustage

Ich habe letztens geschrieben, dass ich von Journalismusveranstaltungen, -diskussionsrunden und sonstigen journalistischen Zusammenkünften schon eher genervt bin. Ich nehme es jetzt ein bisschen zurück, weil: Journalismustage.

Die ersten Österreichischen Journalismustage. Klingt ja ganz interessant, habe ich mir vor ein paar Wochen gedacht. Dann mit einer Kollegin abgesprochen und diskutiert, ob wir hingehen sollen oder ob´s die ewig alte Suderei werden wird.  Da das Programm und die Speaker*innen damals noch nicht wirklich gestanden sind, haben uns großteils das Organisationsteam – einige dabei, die einen Vertrauensvorschuss genießen – und zugegeben, der günstige Preis für´s Early Bird Ticket überzeugt.

Journalismus und nicht Geschäftsmodell

Gleich am Anfang machte Joe Barth, früher Journalist – heute Internetmensch, klar, dass hier keine Verleger, keine Chefredaktuere auf den Podien zu finden sein werden, dass es diesmal eben nicht um´s Geschäftsmodell geht, nicht um´s Zeitungssterben, nicht um die aktuelle Joblage. Was sonst? Um die Inhalte, deren Qualität und die Arbeit der Menschen, die diese Inhalte schaffen. Um Journalismus eben. Durch diesen Vorsatz und das Programm, wurde die Veranstaltung zu einem vorher noch nicht da gewesenen (zumindest nicht seitdem ich in Wien bin und mich mit Journalismus beschäftige) Event.

journalismustage

Keynotes & Panels

Zum Beispiel kam da Armin Wolf für die Keynote und referierte darüber, ob die Medien die Politik kaputtmachen. Argumente dafür waren übermoralische Berichterstattung und eine Entmythifizierung der Menschen in der Politik durch die Erniedrigung der Poltiker*innen auf das Niveau des Publikums aufgrund der immerzu dokumentierenden Massenmedien. Er zitierte dabei Meyrowitz, der schon 1985 sagte, dass sich Politiker zusehends im mittleren politischen Verhalten ansiedeln, weil sie in einem Dilemma aus Inszenierung und Konsistenz gefangen sind. In gekürzter Fassung ist der Text in der Presse nachzulesen.

Und da waren noch viele mehr: Renate Graber, die drei Thesen zur Recherche aufstellte: 1. Es ist ein Ausdauersport. 2. Es kann auch Spaß bereiten. 3. Es braucht Mut und Vertrauen – auch durch Chefredakteure und Vorgesetzte. Eine große Frage, die hier und schließlich immer wieder auftauchte: Wie soll der Journalismus mit Fehlern umgehen?

Die Kurzmeldungen, waren fast ohne Ausnahme großartig – zum Beispiel: Helge Fahrnberger, der von einzelnen kobuk-Fälle erzählte. In Panel 2 wurde über Auslandsberichterstattung diskutiert. In Panel 3 trug Antonia Gösser ein A bis Z der Verhaberung von Politik und Medien mit dem Titel „Zu nah dran“ vor. Den Abschluss des Tages bildete eine kurze Dokumentation des Zustandekommens von Dossier: Asyl, einem Meisterstück des investigativen Journalismus, das so in Massenmedien leider nicht stattfindet.

Alles in allem: Ich freue mich auf die Journalismustage 2015.

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