Tag 53: Medien- vs. Publikumsagenda

Meine Masterarbeit schreibe ich zum Thema „Demokratisierung des Agenda Setting“ (Arbeitstitel), da darf eine Abhandlung über die Medien- und Publikumsagenda natürlich nicht fehlen.

Die Wissenschafter McCombs und Shaw sind so etwas wie die Godfathers der Agenda Setting Theorie. Im Jahr 1972 veröffentlichten sie eine empirische Untersuchung namens „Chapel-Hill-Studie“, für welche sie 100 Wähler*innen aus dem Örtchen Chapel Hill dazu befragten, welche Themen im Präsidentschaftswahlkampf 1986 die wichtigsten waren. Und weil das allein ja erstmal weniger interessant wäre, legten sie eine Inhaltsanalyse der Medienberichterstattung zu diesem Zeitpunkt oben drauf. Diese beiden Ergebnisse verglichen sie dann und voilá, ihre These wurde bestätigt:

Die Massenmedien haben Einfluss auf die Publikumsagenda

Zwar meinten sie auch, dass die Studie wohl eine begrenzte allgemeine Aussagefähigkeit habe, wiesen folgende Kritik aber entschieden zurück: Die Medien könnten sich bei der Themenwahl doch an den Interessen des Publikums orientiert haben. Diese Einstellung übernahm dann auch ein Großteil der folgenden empirischen Untersuchungen – und das sind einige – denn wer widerspricht schon gerne den Godfathers?  Ja, wären da nicht Lazarsfeld, Berelson und Gaudet gewesen, die schon 1940 eine ähnliche Studie durchgeführt und folgenden Begriff geprägt hatten:

Opinion Leaders

Auf deutsch auch „Meinungsführer“ genannt. Die kennen wir. Denn vor allem Blogger*innen werden oft als solche bezeichnet. Warum, das zeigen die Ergebnisse der „People´s Choice“ Studie: Es wurde herausgefunden, dass die Möglichkeit der Beeinflussung von Wähler*innen durch die Massenmedien relativ gering ist und dass diese eher durch Leute aus ihrem sozialen Umfeld überzeugt werden können – eben die sogenannten Meinungsführer. Denkt man genauer drüber nach, war die Kritik am One-way-Modell – also der ausschließlichen Beeinflussung des Publikums durch die Medien und nicht umgekehrt – schon vor der eigentlichen Theorie geboren.

Dass diese Opinion Leaders nun eben als Blogger*innen (unter anderem) online sind und dort ihre Meinungen einem größeren Publikum kundtun, war für mich der Grund zu untersuchen, inwiefern diese Blogger*innen (also das Publikum) heute die Medienagenda beeinflusst.

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