Tag 43: kontroversiell! im Filmcasino

dok.at hat eine neue Filmreihe gestartet: Sie trägt den Namen kontroversiell! und möchte brisante Filme zeigen, die Debatten anregen. Zum gestrigen Start wurde im Filmcasino „The Ambassador“ von Mads Brügger gezeigt.

Schon ein paar Mal bin ich an den bunt erleuchteten Lettern des Filmcasino vorbeigegangen und hab mir gedacht: Da muss ich hin! Immer wieder erinnert von meinem Wien-„Reiseführer“ des Vertrauens, dem Lomography City Guide Vienna, der selbst für Stadbewohner immer wieder neue Tipps bereit hält.

Filmcasino

kontroversiell!

Die neue Filmreihe wird von den Regisseurinnen Susanne Brandstätter, Nathalie Borgers und Doris Kittler konzipiert und kuratiert. Der Sinn dahinter: Wie der Titel schon verrät, werden eher umstrittene Filme gezeigt, um anschließend darüber zu diskutieren. Dabei stehen vor allem die folgenden Fragen im Mittelpunkt: „Welche Möglichkeiten, aber auch Grenzen hat Dokumentarfilm? Was darf filmisch wie gezeigt werden, was nicht? Wo liegen die Schranken künstlerischer Freiheit?“ Der Plan ist, dass zwei Mal pro Jahr ein Film gezeigt wird, der international für Aufsehen gesorgt, in Österreich aber kaum Beachtung gefunden hat.

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Ambassador von Mads Brügger

Gestern wurde also „The Ambassodor“ vom dänischen Filmemacher Mads Brügger gezeigt. Brügger spielt in seinem Film selbst den Protagonisten: Einen weißen, latent rasisstischen Mann, der sich illegalerweiße einen liberischen Diplomatenpass besorgt, um so ohne Probleme Diamanten aus Zentralafrika ausführen zu können. Er und seine Assistentin sind dabei die einzigen „Schauspieler“ – alle, die sonst in der Doku vorkommen, sind echte Menschen, die teilweise immer noch im Amt oder schon tot sind. Der Filmemacher selbst bezeichnet seinen Film als eine Mischung zwischen Borat und The Economist. Die Kritiker stoßen sich vor allem am Borat-Teil. Also an den Teils rassistischen Aussagen und Darstellungen, vor allem in Verbindung mit den vorkommenden Pygmäen. (Wobei ich gerade von Wikipedia gelernt habe, dass schon allein das Wort als rassistisch gilt bzw. einen „ethnologisch unbrauchbaren Sammelbegriff“ darstellt.) Um diesen Rassismus drehte sich auch der Großteil der gestrigen Diskussion zwischen dem Filmemacher, Alexander Warzilek, Geschäftsführer des österreichischen Presserats und dem Publikum. Wie leider jedoch oft in solchen Diskussionen artete das Ganze zu abstrusen Debatten über die exakte Definition von diesem und jenem aus. Was man nun eben als Filmemacher „darf“ oder „nicht darf“ blieb aus diesem Grund großteils links liegen.

Podiumsdiskussion Mads Brügger

Trotzdem finde ich das Format sehr spannend und freue mich schon auf den nächsten kontroversiell!-Abend.

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