Tag 35: Neues Masterstudium – erster Unitag

Mein erster Tag auf der Uni Wien beginnt wie beinah alle meine ersten Tage irgendwo: Ich bin falsch. Falscher Ort, falsche Zeit, falscher Raum,… Egal, jedenfalls falsch.

Mein erster Tag auf der höheren Schule wird mir immer im Gedächtnis bleiben und ist bezeichnend für alle meine ersten Tage vorher und nachher: Ich suche mir genauestens raus, wann ich wo sein muss und gehe dann so los, dass ich rechtzeitig – nein, sogar noch früher – ankomme. Raum 015 ist mein Ziel. Es gibt zwei Gebäude: Ein Palais und einen Neubau. Ich weiß nicht, in welchem 015 liegt, also frage ich eine Schülerin, die an mir vorbeigeht: „Wo ist denn Raum 15?“ „Der ist dort drüben im Palais, oberster Stock.“ Ich mache mich auf den Weg dorthin, komme an, sehe die Klasse ist voll.

„Ist das die Humanökologie-Klasse?“
„Nein, wir sind die Modeklasse.“
„Hm ok, ich dachte ich muss in Raum 15.“
„Meinst du vielleicht Raum 015?“
„Ja, das kann sein.“
„Der ist im Neubau, im Erdgeschoss.“

Ich mache mich also auf den Weg in den Neubau. Dort angekommen sehe ich, dass ein Schild an der Tür hängt: „Einteilung der Klassen HW1 a-c findet ab 09:30 in der Aula statt.“ Es ist schon 09:40. Ich rase zur Aula. Als ich die Tür aufmache, geht ein Schwung Mädls an mir vorbei. Ich betrete die Aula. Es werden Namen aufgerufen für die Klasse HW1b. Ich bin nicht dabei – die Klasse geht raus, so wie der Schwung Mädls vorher. „Alle die jetzt nicht aufgerufen wurden, sind in der HW1c, kommt mit.“ Ich gehe mit, nehme mir einen Platz in der Klasse. Die Namen werden aufgerufen. Meiner ist nicht dabei. Ich sitze in der falschen Klasse. Die HW1a wäre meine gewesen. So beginne ich erst meinen 2. Schultag am richtigen Ort.

Zehn Jahre gescheiter?

Zehn Jahre älter bin ich jetzt. Das ist fix. Aber habe ich aus den ersten Malen in den letzten zehn Jahren auch etwas gelernt? Vermutlich, dass es egal ist, erstmal falsch zu sein. Denn es passiert mir immer wieder. So wie heute: Schon vor vielen Tagen habe ich in meinem Kalender vermerkt, wann ich wo sein muss. Ich schaue vorab, wo der Raum ist und gehe so los, dass ich circa zehn Minuten früher da sein werde. Ich komme an, an der Tür ein Schild: Ein Pfeil und die Aufschrift „Bitte anderen Eingang benützen.“ Mit Hand drauf geschrieben: „Prüfung am 30.01.“ Schon vorbei, denke ich, betrifft mich nicht. Und warte. Andere Leute sehen das Schild auch, brechen zum anderen Eingang auf. Irgendwann mache ich es ihnen nach, finde den anderen Eingang und setze mich in den Hörsaal. Irgendwann höre ich hinter mir:

„Ist das jetzt eine Prüfung?“
„Ja, das ist eine Prüfung.“
Ich drehe mich um: „Ist hier jetzt keine Lehrveranstaltung?“
„Nein.“

Gemeinsam mit der anderen „Falschen“ verlasse ich den Hörsaal also wieder, nur um herauszufinden, dass wir eine Woche zu früh da sind. Das Anfangsdatum wurde wohl in den letzten Tagen verschoben. So, was habe ich also heute gelernt? Es gehört zu meinem Naturell. Ich bin einfach so. Und schlussendlich gibt es auch einen Vorteil: Es gibt immer Leute, die auch am falschen Ort, zur falschen Zeit sind und da wir übereinander lachen können, weil wir ja genau wissen, wie wir sind, hat man gleich die ersten Kontakte geknüpft.

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