Tag 18: Zurückkommen aus Tirol

Montag bis Sonntag habe ich in Tirol verbracht. Ich habe Freunde wiedergetroffen, etwas mit der Familie unternommen, aber vor allem auch viel Zeit mit mir allein verbracht. Und gelernt, dass man auch etwas lernen kann, wenn man nichts Spezielles macht.

Normalerweise fahre ich alle ein bis zwei Monate für ein Wochenende heim. (Eigentlich fahre ich in beide Richtungen HEIM – in dem Fall also nach Tirol heim.) Dort angekommen auf die Uhr geschaut und die circa 48 Stunden schon genau verplant: Besuch 1, Besuch 2, Essen 1, Besuch 3, Unternehmung, Frühstück, Kaffee, Besuch 4, wer fährt mich zum Bahnhof und kaum drehe ich mich einmal um, sitze ich schon wieder im Zug. Diesmal heim nach Wien. So anstrengend diese Wochenenden sind, ich mag sie natürlich.

Kater und Haus

Die letzten sieben Tage sollten jedoch ganz anders sein: Ich hatte „sturmfrei“ und habe Haus und Jimmy den Kater gehütet. Und auch das Auto war mein. Neben kleinen, praktischen Dingen, die ich kennengelernt, gelernt oder wieder aufgefrischt habe – wie besser Autofahren (weil regelmäßig jeden Tag), das Vergnügen eine Flasche Wein ganz allein zu trinken (auf drei Tage verteilt), den Sinn dahinter, die Senderreihenfolge am Fernseher selbst zu bestimmen (viel weniger Trash gleich zu Beginn), ein Spiel namens Minecraft (weil für´s Gotlkind heruntergeladen) und den Spaß an Poetry Slam YouTube Videos (ich empfehle dieses, jenes, folgendes und das alles) – habe ich auch ein paar „tiefgründigere Erfahrungen“ gemacht oder sagen wir zumindest über folgendes nachgedacht:

Friends forever

Mit manchen Leuten setzt man sich an einen Tisch, fängt an zu reden und es kommt einem so vor, als wäre man gestern erst von ebendiesem Tisch aufgestanden, um sich heute wieder hinzusetzen. Dabei ist das letzte gemeinsame Hinsetzen schon Monate her und dazwischen gab es kein, vielleicht ein Telefonat. In den ersten paar Minuten bringt man sich gegenseitig auf den neuesten Stand des seit dem letzten Mal wieder komplett über den Haufen geworfenen Lebens. (Natürlich ist nicht immer alles über den Haufen geworfen, aber es gibt jedes Mal Dinge, die sich ändern.) Anschließend folgen Stunden von Gesprächen über Gott, seine Politik und die Welt. Nur in einem Fall war es umgekehrt: So lange philosophiert, dass wir für das detaillierte Lebens-Update keine Zeit mehr hatten und uns noch einmal treffen mussten.

Gleiche Meinung – entgegengesetzte Meinung

Das Wort „Meinung“ könnte man auch mit „Ansicht“, „Gefühl“, „Plan“, „Einschätzung“ oder „Vorliebe“ ersetzen. Vorwiegend schafft sich natürlich jeder Mensch einen Freundeskreis, in dem Meinungen, Ansichten, Gefühle, Pläne, Einschätzungen, Vorlieben annähernd übereinstimmen. Wer mag schon den ganzen Tag diskutieren oder streiten. ABER: Es ist auch schade, vielleicht sogar irgendwann gefährlich, sich ständig im selben Dunstkreis zu bewegen. Du sagst etwas, Gegenüber A nickt es ab, Gegenüber B schlägt sogar noch eine Steigerung des eben Gesagten vor, alle nicken und fühlen sich bestätigt. Dabei muss ich mit jemandem der ganz oder teilweise anders denkt, nicht zwangsläufig in einer ermüdenden Debatte landen oder im schlimmsten Fall streiten. Man kann auch ganz normal darüber reden, dem anderen ZUHÖREN, seine eigene Sicht darlegen, vielleicht sogar auf einen gemeinsamen Punkt kommen oder am Schluss AKZEPTIEREN, dass andere Meinungen auch eine Daseinsberechtigung besitzen und man nicht zeitlebens im Konsens kuscheln muss. Wohl keine bahnbrechende Erkenntnis, die ich glücklicherweise auch nicht zum ersten Mal gemacht habe, aber es hat mich an folgendes erinnert: Halte deine Meinung nicht zurück, nur aus Angst, das Gespräch könnte in eine weniger liebe Ecke abdriften. Aber auch jenes: Lass deine Meinung stecken, wenn dein Gegenüber sie als Beleidigung empfinden könnte und die vermeintliche „Wahrheit“ niemanden weiterbringt.

Das Landleben

Es ist schön. In der Stadt zu leben, ist nicht das einzig Wahre. Irgendwann irgendwann irgendwann will ich wieder zurück. Punkt.

alkoholwerbung

Alles in allem ein bisschen „Ferien vom Ich“ also, ohne verkatertes Aufwachen am nächsten Morgen. Aber genug der Philosophie und Prokrastination – back to normal, back to work, back to Diplomarbeit.

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Ein Gedanke zu “Tag 18: Zurückkommen aus Tirol

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